Letzte Änderung:14.10.2017

Der Narrenbaum

Die Hauptaufgabe der Holzhauer in der Radolfzeller Fasnacht besteht im Holen, Stellen und am Ende der Fasnacht auch dem Fällen des Narrenbaums.

Nachdem ein langer, gesunder Narrenbaum im Altbohlwald unter Leitung des Försters Wald ohne Bruch gefällt ist, gibt es am wärmenden Lagerfeuer für die Holzhauer und ihre Gäste eine kräftige Suppe mit Wurst und Wecken. Auch der Wein aus dem Tragefässle fehlte nie. Seit 1951 sind die damals neu geschaffene Holzhauerfahne und das Tragefässle bei allen wichtigen Holzhauerveranstaltungen mit dabei.

Gegen Mittag ziehen die Holzhauer mit ihrem Narrenbaum ins Städtle, um den Zellern zu zeigen: „Es goht degege“. Dabei wird das Holzhauerbrettle angeboten; jedes Jahr zeigt es ein anderes Motiv. An diesem „Mittwoch vor em Schmutzige“ erobern die Holzhauer im Städtle Wirtschaft um Wirtschaft, Narrenseele um Narrenseele. Fasnetstimmung herrscht nun in Gassen und Stuben. Bei Einbruch der Dunkelheit wird der Narrenbaum an einen sicheren Ort gefahren, damit ihm kein Unheil widerfährt.

Am Nachmittag des „Schutzigen Dunschtig“ treffen sich die Narren mit „Narrensome“ (Kinder) in der Untertorstraße /Schwertstraße zum Narrenbaumumzug. Früher stand dort das Gasthaus Schwert (heute Pro-Seniore) wo zunächst vom Narrenwirt die durstigen Kehlen versorgt wurden. Der „Narrensome“ zieht dann den Narrenbaum durch die Altstadt auf den Marktplatz. Die Kinder erhalten für die anstrengende Gespanntätigkeit im Garten vom Gasthaus „Kreuz“ Wurst und Wecken von den Holzhauern.

Mit Böcken, Scheren, Stichern, viel Geschrei und auch Disziplin mühen sich die Holzhauer unter Leitung des „ Försters Stadt“, den meist über 30m langen Narrenbaum aufzustellen. Die kleinen und großen Narren warten mit Spannung, feuern die Holzhauer mit „ Hau ruck“an - bis dann das erlösende „ Jetzt stoht de Narrebom!“ gerufen werden kann.

Früher wurde der Narrenbaum an einem Tag, nämlich am „Schmutzige Dunschtig“ im Wald geholt und in der Stadt aufgestellt. Der Narrenbaum steht als Stammbaum aller Narren, als Symbol unserer Fasnet . Es wird damit angezeigt, jetzt ist die Zeit für urwüchsigen Humor und Frohsinn. Die Narren haben die Macht in der Stadt übernommen.

Für Ihre letzte Aufgabe am Narrenbaum müssen die Holzhauer am Abend des Fasnet-Dienstag nochmals kräftig Hand anlegen. Mit einer großen Trauerversammlung von Narren begibt sich der Oberholzer mit seinen Holzhauern in Prozessionsform zum Narrenbaum.

Unter schmerzlicher Trauer und lautem Wehklagen der Narren fällen die Holzhauer zielgerecht den Narrenbaum auf den Marktplatz. Der Baum wird dann in transportfähige Stücke zersägt und abtransportiert. Der Oberholzer, eskortiert von seinen Holzhauern,macht anschließend dem Präsidenten der Narrizella Ratoldi Vollzugsmeldung. Gleichzeitig übergibt er dem Präsidenten, der sich zu dieser Zeit auf dem „Schlußrummel“ vergnügt, den „Dolden“ des Narrenbaumes als Beweis für den gefällten Narrenbaum und insbesondere für das nahe Ende der der Fasnet.

 

  Aber scho goht’s wieder degege,

  der Narregeist will sich vu neuem rege.

 

Text von Holzhauer Paul Mutter